Die Internationalen Pflanzenschutz-Kongresse (IPPCs)
und die Gründung der
Internationalen Gesellschaft für Pflanzenschutz-Wissenschaften (IAPPS)
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Die Internationalen Pflanzenschutz-Kongresse (IPPCs)
Ein kurzer Rückblick (1946 – 1995)
1946: Erster Kongress in Louvain (Belgien), findet danach alle 4 Jahre in verschiedenen Ländern statt. Schwerpunkte sind die Bekämpfung von Schadinsekten, später auch Pflanzenkrankheiten
1979: Erster multidisziplinärer Kongress in Washington, D.C. Steigende Bedeutung des integrierten Pflanzenschutzes
Die IPPCs stellen für die Pflanzenschutz-Forschung seit mehr als 50 Jahren ein weltweites Forum zur Kommunikation und Diskussion neuer Erfindungen und Entdeckungen dar
Die konzeptionelle Führung der Kongresse wird bis 1995 durch ein Standing Committee (zuletzt 24 Mitglieder aus 24 Ländern) wahrgenommen
Probleme und Hemmnisse
Spezialisierte, internationale Fachkongresse, die sich mit Einzeldisziplinen wie Herbologie, Phytopathologie, Entomologie u.a. beschäftigen, hemmen die Interaktionen über Fachgrenzen hinweg
Einige internationale Pflanzenschutz-Kongresse (IPPCs) litten in der Vergangenheit unter tatsächlichen oder als solche wahrgenommenen Qualitätsproblemen
Das Engagement und die finanzielle Unterstützung der Pflanzenschutz-Industrie haben nachgelassen.
Immer mehr junge Wissenschaftler beschäftigen sich heute lieber mit molekularbiologischen Fragen als mit einer multidisziplinären, integrativen Agrosystem-Forschung
IPPC 1995: Das Future Directions Committee
Aufgaben
Die Ueberprüfung und Festlegung der Ziele künftiger IPPCs
Die Erarbeitung von Empfehlungen für eine Organisation und Struktur der IPPCs, die den Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts gewachsen ist und den Bedürfnissen an Kommunikation und Integration der Pflanzenschutz-Forschung Rechnung trägt
Empfehlungen
Schaffung einer Dachorganisation für künftige IPPCs
Verbesserung der Kommunikation und Integration wissenschaftlicher Programme über die Grenzen von Fachdisziplinen hinweg
Die Gründung einer Internationalen Gesellschaft für die Pflanzenschutz-Wissenschaften (IAPPS)
Beschluss
Die Gründung der IAPPS wurde durch das Standing Committee und die Generalversammlung der IPPC im Juli 1999 in Jerusalem vollzogen
Gründe für IAPPS
Die durch Hochertragssorten und eine intensive Bewirtschaftung erzielbare Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität wird oft mit einer erhöhten Anfälligkeit von Kulturen gegenüber Schädlingen und Krankheiten erkauft. Deshalb benötigen wir neue Technologien und noch besser ausgebildete Pflanzenschutz-Wissenschaftler
Unerwünschte Nebenwirkungen chemischer Mittel (z.B. Anwendersicherheit, Umweltbelastungen, Resistenz) führen dazu, dass Konsumenten, Politiker und Wissenschaftler integrierte Pflanzenschutzprogramme (IPM) und deren ständige Verbesserung fordern
Globale Vorernteverluste durch Schädlinge und Krankheiten von etwa 40% rufen nach mehr Aufmerksamkeit für und Investitionen in die Pflanzenschutzforschung. Dies gilt besonders für die Erweiterung von IPM-Systemen in den wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturen der Erde
Im Jahre 2025 müssen weitere 2 Milliarden Menschen ernährt werden. Diese Menschheitsaufgabe kann nur durch eine intensive landwirtschaftliche Produktion gelöst werden
Die IPPCs verfügen über die Tradition und die Kompetenz, die Gesamtheit der Pflanzenschutz-Wissenschaften und der sie unterstützenden Disziplinen (z.B. Agronomie, Oekologie, Oekonomie, Soziologie etc.) zu bündeln. Sie können deshalb mit Hilfe der IAPPS wirksame und umweltverträgliche IPM-Konzepte entwickeln, analysieren und vorantreiben
IAPPS: Vision - Ziel - Aufgabe
Vision
Die wirtschaftliche Produktion gesunder Kulturpflanzen in einer gesunden Umwelt zum Wohl aller Menschen
Ziel
Erarbeitung und Austausch von Pflanzenschutz-Informationen unter Wissenschaftlern, Beratern, Landwirten, Politikern, Behörden sowie Umwelt- und anderen Interessengruppen
Auftrag
Die Schaffung eines weltweiten wissenschaftlichen Forums zur Identifizierung, Evaluierung, Integration und Promotion von Pflanzenschutzkonzepten, -technologien und -gesetzen, die in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht gesellschaftlich akzeptabel erscheinen.
Was IAPPS erreichen will
Die Internationalen Pflanzenschutzkongresse (IPPCs) als ein Forum für die Integration und Verbreitung von Pflanzenschutzinformationen und Technologien konzipieren, organisieren und durchführen
Mitglieder unterschiedlicher Kategorien werben mit dem Ziel, wissenschaftliche Programme integrieren und die Kommunikation unter Wissenschaftlern verbessern zu können
Acht regionale Netzwerke aufbauen, die von je einem Koordinator unter Führung eines Regional IAPPS Councils betreut werden
Den integrierten Pflanzenschutz (IPM) in Forschung und Anwendung fördern
Die Koordination und Integration von Forschung und Beratung auf regionaler und globaler Ebene verbessern
Assoziierung mit und Förderung einer Fachzeitschrift, die sich durch Abhandlungen über Forschungs- und Beratungsaspekte im integrierten Pflanzenschutz auszeichnet
Durch einen interaktiven Internetzugang auf globaler Ebene Informationen über Pflanzenschutz und dessen Regulierung verbreiten
Die Öffentlichkeit über die Bedeutung des Pflanzenschutzes als Mittel zur Verringerung potentieller Ernteverluste in einer Zeit der weiter wachsenden Weltbevölkerung aufklären
Die vier Kategorien der IAPPS Mitgliedschaft
1. Die individuelle Mitgliedschaft
schliesst die Subskription der elektonischen Version von Crop Protection ein. Diese von Elsevier herausgegebene Fachzeitschrift ist das offizielle Organ der IAPPS.
Für Mitglieder aus Industrieländern beträgt der Jahresbeitrag
- US $ 50 ($ 30 für die Mitgliedschaft und $ 20 für den elektronischen Zugang zu Crop Protection)
- US $ 100 ($ 30 für die Mitgliedschaft und $ 70 für die gedruckte Version der Zeitschrift Crop Protection)
Für Mitglieder aus Entwicklungsländern beträgt der Jahresbeitrag
- US $ 35 ($ 15 für die Mitgliedschaft und $ 20 für den elektronischen Zugang zu Crop Protection)
- US $ 85 ($ 15 für die Mitgliedschaft und $ 70 für die gedruckte Version der Zeitschrift Crop Protection)
2. Die Mitgliedschaft wissenschaftlicher Institutionen
Nationale, regionale und internationale Gesellschaften und Kongresse
- Keine Beitragzahlungen als Gegenleistung für freien Zugang zu Mitgliedsadressen und Verbreitung von IAPPS Informationen
- Der Nutzen für die Mitglieder besteht in der Teilnahme an internationalen Ausbildungs- und Förderprogrammen und in der Möglichkeit, in den Regional Councils und an regionalen und internationalen Kongressen
3. Die Mitgliedschaft von Organisationen
Nationale, regionale und internationale Organisationen, Regierungsbehörden und NGOs zahlen Mitgliedsbeiträge
Der Nutzen für diese Mitglieder besteht in der verbesserten Visibilität der jeweiligen Organisation, in der Möglichkeit, Mitarbeiter durch die Teilnahme an regionalen Projekten aus- und weiterzubilden und in einer möglichen Vertretung in den Regional Councils
4. Die Mitgliedschaft von Pflanzenschutzfirmen
Je nach Wunsch zahlen Firmen einen regelmässigen Mitgliedsbeitrag oder leisten eine andere Art der Vergütung
Der Pflanzenschutzindustrie wurde eine Rolle im Governing Board der IAPPS zugestanden
Mitgliedsfirmen erhalten Sondervergünstigungen für Ausstellungen an regionalen und internationalen IAPPS-Kongressen
Weitere Vorteile liegen in der Möglichkeit einer globalen wissenschaflichen Kommunikation und Zusammenarbeit über Publikationen und Communiques der IAPPS
Die Organisationsstruktur der IAPPs
Die acht regionalen Zentren
Region 1 Europa
Region 2 Nordafrika und der Mittlere Osten
Region 3 Afrika südlich der Sahara
Region 4 Südliches Asien
Region 5 Ost-und Südostasien
Region 6 Australasien
Region 7 Nordamerika
Region 8 Lateinamerika und Karibik
Die 16 Mitglieder des „Governing Board" der IAPPS
Der Präsident (Vorsitzender)
Der Vizepräsident
Der Generalsekretär
Der Schatzmeister
Der vorige Präsident
Der Herausgeber des Newsletter
Ein Vertreter des Gastlandes, das den nächsten IPPC ausrichtet
Ein Vertreter der Global Crop Protection Federation GCFP (Industrie)
Acht Vertreter der Regionalen Zentren
Die Generalversammlung
besteht aus den Mitgliedern der IAPPS
wird alle vier Jahre anlässlich der IPPCs einberufen
genehmigt Aenderungen in den Statuten der IAPPS
gibt der IAPPS ihre politische und programmatische Ausrichtung
Die Vision von Olof Ryberg, IPPC 1946
„Die Welt braucht eine internationale Organisation für Pflanzenschutz, nicht nur, um künftige Kongresse zu planen, sondern mehr noch, um sich aktuellen Fragen des internationalen Pflanzenschutzes zu widmen."
Nach Ryberg sollte die neue Organisation
- sich mit allen Aspekten des Pflanzenschutzes befassen
- sich wichtigen globalen Problemen zuwenden
- in einem regelmässig erscheinenden Newsletter und einem Jahresbericht über wichtige Ereignisse im Pflanzenschutz berichten
- mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten
Heute, 50 Jahre später, will IAPPS die Vorstellungen Rybergs von einer internationalen, wissenschaftlich orientierten Pflanzenschutzorganisation verwirklichen.
Translation courtesy of Dr. Günther Voss, member of the former IPPC Standing Committee